Die Welt in meinem Kopf

 



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Er über sich

Es liegt ihm fern sich im Spiegel zu betrachten, gleichwohl es sich oftmals nicht vermeiden lässt. Was er dann sieht ist erschütternd und faszinierend zugleich. Ein Mann, zumindest der Definition nach, mit blondem Haar und und blauen Augen starrt mit leerem Blick auf ihn zurück. Ja, ein paar Stoppeln hat er im Gesicht, auch mal krauses Haar, je nach Zustand, nach seelischem Zustand. Er pflegt sich oft nicht so wie er es müsste, und auch zum Frisör könnte er öfters gehen. Warum er es nicht tut weiß er ehrlich gesagt auch nicht. Sein Körper gleicht dem eines Elefantenembryos und schaut wahrlich nicht gut aus. Ja, sein bisheriges Leben hat Spuren hinterlassen, dabei ist er noch jung, relativ jung, schätzungsweise um die dreißig. Hinter der Hülle verbirgt sich ein ängstliches Wesen, unfähig gut und böse zu unterscheiden, aufgewachsen in einem Umfeld aus Überbewertung, Angst, Gier und dem Hunger nach Macht. Liebe spielte selten eine Rolle, zumindest keine, die ein Kind hätte wahrnehmen können. Und der erwachsene Mann? Nun er nimmt sie wahr, aber er fürchtet sich davor. Zu lieben war in der Vergangenheit immer ein Risiko gewesen. Zu oft wurde die Enttäuschung unerträglich groß. Zu selten wurden sein Eifer und seine Aufopferung für sein Umfeld langhaltig belohnt. Ja, finanzielle Zuwendung nahm er dankend an, weil das bekanntlich Sorgen kleiner macht. Zumindest dachte er das. Ein sorgenfreies Leben ist nunmal kein Garant für Glück oder solche Dinge, denn glücklicher ist er nicht geworden. Nur die Ängste sind gestiegen, sie haben ihn geformt, eingeschüchtert, geprägt. Er zweifelt alles an bevor er sich entscheidet etwas zu glauben, zu tun oder es eben zu lassen. Entscheidungen sind schwierig, ganz schwierig zu treffen. Manchmal sind sie unmöglich zu treffen, weil die Angst davor, also allein vor der Entscheidung, enorm groß ist und sein ganzer Körper somatisiert. Der Anblick ist erschrecken, das ist klar. Aber manchmal sieht er mehr. Manchmal. Ein junger Mann, so um die dreißig mit Abitur, Bundeswehr überlebt, abgeschlossenes Studium, Job im familieneigenen Betrieb. Er weiß er hatte viel Glück im Leben und eine Menge gute Menschen kennengelernt. Viele wurden seine Freunde. Da steht ein Mann, der so vieles verkörpert als nur Schwäche, der gelegentlich das Leben spürt und sogar Menschen verzaubern kann. Manchmal hasst er sich weniger als sonst. Manchmal haben Menschen Zugang zu dem Chaos in seinem Kopf. Manchmal tut er die richtigen Dinge. Manchmal hat er keine Angst, ja... manchmal. Immer ist er morgens schon müd, das machen die Tabletten und diese verdammte Krankheit. Aber oft fragt er sich ob er der Krankheit nicht danken sollte. Sie zeigt ihm was falsch ist in seinem Leben. Sie lässt ihn leiden damit er sich ändert. Sie öffnet Perspektiven und gibt Menschen aus seinem Umfeld Räume um vorzudringen in seine Seele. Doch erlauben kann er es nicht. Zu viel steht auf dem Spiel. Instabilität und totale seelische Vernichtung sind das Risiko. Er ist zerrissen. Doch er will leben und dazu gehört es zu riskieren. Das weiß er ganz genau. So steht es im Spiegel, so steht es in ihm. Warum auch nicht.
2.10.12 21:00
 
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